PLANET DER AFFEN. REVOLUTION | Dawn of the Planet of the Apes
Filmische Qualität:   
Regie: Matt Reeves
Darsteller: Andy Serkis, Jason Clarke, Gary Oldman, Keri Russell, Toby Kebbell, Judy Greer, Nick Thurston, Karin Konoval, Kodi Smit-McPhee
Land, Jahr: USA 2014
Laufzeit: 127 Minuten
Genre: Science-Fiction/Fantasy
Publikum: ab 12 Jahren
Einschränkungen: G
im Kino: 8/2014
Auf DVD: 11/2014


José García
Foto: Twentieth Century Fox

Vor drei Jahren erzählte „Planet der Affen. Prevolution“ („Rise of the Planet oft he Apes“, siehe Filmarchiv), wie die Geschichte angefangen hatte, die schließlich zur Situation in „Planet der Affen“ („Planet of the Apes“, 1968), einem der großen Klassiker des Science-Fiction-Genres, führte. Ein Wissenschaftler erprobte an einem Schimpansen namens Caesar ein Heilmittel gegen Alzheimer, woraufhin Caesar superintelligent wurde. Er brach nicht nur aus dem Labor aus, sondern befreite auch eine Reihe Affen aus einem Zoo, denen er dann dieses Mittel verabreichte. Die Affen erhoben sich gegen ihre Unterdrücker, die Menschen. Sie zogen sich zwar in den Wald zurück. Aber die Menschheit hatte einen neuen Feind: Ein mysteriöses „Affen-Virus“ dezimierte schnell die Erdbevölkerung.

Dies alles wird zu Beginn des nun anlaufenden zweiten Teils „Planet der Affen. Revolution“ zusammengefasst. Zehn Jahre nach diesem ersten Kampf gehen in der Welt die Lichter aus, versinnbildlicht in einer in Dunkelheit gehüllten Karte der Vereinigten Staaten. In einem Wald unweit von San Francisco haben sich Caesar (Andy Serkins) und sein Affenstamm eingerichtet und eine Art Festung gebaut. Mit einigen Pferden machen sie Jagd auf Hirschen. Als Caesars Sohn Blue Eyes (Nick Thruston) von einem Bären angegriffen wird, verteidigen ihn Caesar und andere Gefährten. Denn Familie spielt bei Caesar eine wichtige Rolle. Seine Gefährtin Cornelia (Judy Greer) hat gerade einen zweiten Sohn zur Welt gebracht. Die jungen Affen werden vom weisen Orang-Utan (Karin Konoval) unterrichtet. Oberste Maxime: „Ein Affe tötet nicht einen Affen“. Die Affen, bei denen die Schimpansen den größten Populationsanteil ausmachen, bilden eine Gemeinschaft, eine Gesellschaft, in der inzwischen Zukunft eine wichtige Rolle spielt. Sprechen kann mittlerweile nicht nur Caesar, sondern etwa auch der impulsive, jahrelang von Menschen malträtierte Koba (Toby Kebell).

Die wenigen in San Francisco überlebenden Menschen haben sich in einer „Kolonie“ zusammengefunden. Deren Oberhaupt Dreyfus (Gary Oldman) will die menschliche Gesellschaft wieder aufbauen, wie sie einmal war. Dafür, und um mit anderen Menschen in der restlichen Welt Kontakt aufzunehmen, brauchen sie Strom. Da die Dieselvorräte zur Neige gehen, müssen sie ein altes Kraftwerk in der Nähe eines Stausees finden und wieder funktionsfähig machen. Eine kleine Gruppe um Malcolm (Jason Clarke), seine Freundin Ellie (Keri Russell) und seinen Sohn Alexander (Kodi Smit-McPhee) ist in den Wäldern unterwegs, als sie plötzlich zwei Schimpansen gegenüberstehen. Einer der Menschen verliert die Nerven uns erschießt einen der Affen. Plötzlich sind die Menschen von Schimpansen umzingelt, aber Caesar will kein Blutvergießen. Er brüllt sie lediglich an: „Geht!“ Weil die Menschen aber auf die Energiequelle angewiesen sind, versucht Malcolm mit Caesar ein Abkommen zu treffen.

Nachdem Regisseur Rupert Wyatt vor drei Jahren in „Planet der Affen. Prevolution“ atemberaubende Spezialeffekte eingesetzt hatte, dreht Matt Reeves, der Wyatt auf dem Regiestuhl ersetzt hat, die Schraube eine Windung weiter. Die „Motion-Capture-Technik“ genannte Darstellungsaufzeichnung ermöglicht es nun, dass der Zuschauer gar nicht mehr danach fragt, ob die Affen lebensecht wirken. Dies ist selbstverständlich geworden. Sowohl diese Technik als auch die ganze Action, die an mehreren Stellen mit einer hervorragenden dynamischen Kamera eingefangen wird, steht freilich im Dienst der Handlung. War bereits „Planet der Affen. Prevolution“ eher als Drama denn als Actionfilm angelegt, so ist dies im aktuellen „Revolution“ noch deutlicher.

In Matt Reeves’ Film geht es nicht nur um den Kampf zwischen Menschen und Affen, dessen Ausgang der Zuschauer ohnehin aus dem Ur-„Planet der Affen“-Film aus dem Jahre 1968 kennt. „Planet der Affen“ verdeutlicht zwar, wie das immer wieder hergestellte Vertrauen zwischen Menschen und Affen stets von neuem von Vertretern der beiden Parteien zerstört wird. Die Konflikte reichen jedoch tiefer, wobei die Drehbuchautoren Mark Bomback, Rick Jaffa und Amanda Silver sowie Regisseur Matt Reeves der Affen-Gemeinschaft mehr Aufmerksamkeit widmen als der menschlichen Gesellschaft. Trotz der großartig inszenierten Action, die in den mehr als zwei Stunden Filmdauer kaum Längen entstehen lässt, überwiegt das Drama: Auch Affen-Oberhaupt Caesar hat seinen Brutus. Dazu kommen die sich durch den ganzen Film ziehenden Vater-Sohn-Querelen zwischen Caesar und seinem pubertierend rebellischen Sohn Blue Eyes hinzu, die als echt „menschlicher“ Konflikt gezeichnet werden.

Stand in „Planet der Affen. Prevolution“ insbesondere die Skepsis gegenüber einer Wissenschaft, die keine ethischen Grenzen kennt, sondern anfängt, „Gott zu spielen“, so überwiegen im aktuellen „Planet der Affen. Revolution“ neben der eindeutigen Antikriegs-Einstellung insbesondere postapokalyptische Gesichtspunkte. Neben der Frage, ob zwischen fremden Gesellschaften ein auf Vertrauen basierendes Zusammenleben möglich ist, steht im Mittelpunkt des Filmes eine untergegangene Zivilisation, die zwar ums Überleben kämpft, aber sich auch nach den Grundlagen einer neu zu errichtenden Gesellschaft fragt. Wie sich die Parallelgesellschaften der Menschen und der Affen weiter entwickeln, werden mögliche Fortsetzungen von „Planet der Affen“ zeigen.
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