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José García Foto: Warner Bros.
Remakes, Neuverfilmungen erfolgreicher Filmwerke, gehören zur Filmindustrie dazu. Weil der amerikanische Filmmarkt die Synchronisierung nicht kennt und in den Vereinigten Staaten untertitelte Spielfilme lediglich einen verschwindend kleinen Personenkreis ansprechen, verfilmen die Hollywood-Studios seit jeher erfolgreiche, nicht-englischsprachige Spielfilme einfach neu. So zuletzt geschehen mit Jim Sheridans Brothers (siehe Filmarchiv), einem Remake von Susanne Biers Brothers Zwischen Brüdern (Brødre) aus dem Jahre 2004. Darüber hinaus greifen die großen Hollywood-Studios freilich seit Jahren immer wieder auf bekannte Spielfilme zurück, um sie neu zu verfilmen. So sind in den letzten zehn Jahren Remakes etwa von Mr. Deeds, Solaris, In 80 Tagen um die Welt, Im Dutzend billiger, The Italian Job, Ladykillers, King Kong und Verliebt in eine Hexe Bewitched entstanden. Zu dieser immer länger werdenden Liste gesellt sich nun Jason Winers Arthur dazu, ein Remake von Arthur Kein Kind von Traurigkeit aus dem Jahre 1981 mit Dudley Moore, Liza Minelli und John Gielgud in den Hauptrollen.Arthur Bach (Russell Brand) ist steinreich. Nach einem phantasievollen Vorspann, der auf Batman anspielt, rast Arthur als Batman verkleidet in einer originalgetreuen Nachbildung des Batmobils auf den Straßen von New York. Auf dem Beifahrersitz sein Chauffeur Bitterman (Luiz Guzmán), standesgemäß als Robin kostümiert. Dass das angetrunkene Milliardärs-Söhnchen nach einem Unfall im Polizeirevier landet, stellt auch kein Problem dar. Dafür hat er ja seine Nanny Hobson (Helen Mirren), die ihn seit seiner Kindheit aus jedem Schlamassel herausholt. Irgendwann einmal erregt das Leben des verantwortungslosen Lebemannes in der Öffentlichkeit allerdings solchen Anstoß, dass der Ruf der Familienstiftung Bach Worldwide gefährdet erscheint. Arthurs Mutter Vivienne (Geraldine James) stellt ihm deshalb ein Ultimatum: Entweder heiratet er die zwar schöne, aber ehrgeizige Managerin Susan Johnson (Jennifer Garner) oder er verliert sein Milliardenerbe und damit auch den ihm vertrauten Lebensstil. Für Arthur wäre es eigentlich eine einfache Entscheidung, zumal ihm Susan die Heirat als Geschäftsmodell vorschlägt. Aber ausgerechnet während der Hochzeitsvorbereitung lernt der junge Mann die New Yorker Reiseleiterin Naomi (Greta Gerwig) kennen, in die er sich spontan verliebt. Die naive junge Frau weckt in Arthur den Wunsch, endlich sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Natürlich ist die Story vorhersehbar wie nahezu alle Liebeskomödien, in denen die einzige spannende Frage darin besteht, wie die Liebenden die auftretenden Schwierigkeiten meistern werden, um sich am Ende doch noch zu kriegen. Das Problem von Arthur ist jedoch nicht so sehr die Vorsehbarkeit der Handlung als vielmehr die klischeebeladene Figurenzeichnung. Dies gilt nicht nur für Nebenrollen wie Susans Vater (Nick Nolte) oder Arthurs Mutter, sondern auch für die Hauptcharaktere: Russell Brand erinnert in seinem exzentrischen Auftreten an Johnny Depp in Benny und Joon (Jeremiah S. Chechik, 1993), ohne aber dessen Charme nur annährend zu erreichen. Im Gegensatz zur von Mary Stuart Masterson in Chechiks Film dargestellten Joon bleibt Greta Gerwig derart blass, dass sich der Zuschauer fragt, was Arthur wohl an ihr findet. Oder auch umgekehrt: In keinem Augenblick wirkt es glaubwürdig, dass sich die arme Naomi auch in einen mittellosen Arthur verlieben würde. Das größte Potenzial des Filmes liegt ohnehin in der Beziehung zwischen Arthur und seiner Nanny. Im Originalfilm von 1981 brachte Sir John Gielgud die Rolle des Butlers immerhin den Oscar als Bester Nebendarsteller ein. Dass der Butler in der Neuverfilmung von einem Kindermädchen ersetzt wurde, deutete zwar auf größere komödiantische Möglichkeiten hin. Aber weder das Drehbuch von Peter Baynham noch die Regie von Jason Winer lösen diesen Anspruch ein. Obwohl Helen Mirren das stoisch ihren Pflichten nachkommende, aber sich keineswegs sarkastische Bemerkungen über Arthurs kindisches Gehabe verkneifende Kindermädchen mit dem gewohnten Selbstbewusstsein verkörpert, bekommt sie zu wenig Raum genau sowenig wie der von Luis Guzmán dargestellte Chauffeur Bitterman, der lediglich für ein paar Gags eingesetzt wird. Auf der Strecke bleibt ebenfalls die in der Story angelegte Materialismuskritik. Die Kamera der aus Leverkusen stammenden Uta Briesewitz fängt zwar in der leer geräumten Grand Central Terminal-Szene einen magischen Augenblick ein, bleibt über weite Strecken so farblos wie die tausendfach gesehenen parallel geschnittenen Szenen. Passend zur gekünstelten romantischen Stimmung setzt Theodore Shapiros Filmmusik auf blumige Geigenmusik. Die maßgeschneiderte Story eines kindischen Muttersöhnchens, der endlich erwachsen wird, verkommt unter der Regie von Jason Winer zu einer Durchschnitts-Komödie von der Stange. |
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