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José García Foto: capelight
Jedes Kinogenre besitzt seine eigenen Konventionen. Sie zu durchkreuzen, birgt das Risiko, den Zuschauer zu enttäuschen. Beim Spielfilmdebüt des britischen, vielfach ausgezeichneten Experten für Spezialeffekte Gareth Edwards kann bereits der Filmtitel Monsters als irreführend bezeichnet werden. Denn der Film, bei dem Edwards nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb sowie das Produktionsdesign und die Kamera übernahm, handelt kaum von Außerirdischen, die eher die Bedrohungskulisse für eine andersgeartete Story darstellen. Oder meint der Filmemacher mit Monsters gar die Menschen? Auch dies stellt eine gewisse Irritation dar, die sich durch Gareth Edwards Film zieht.Dabei entspricht die Exposition von Monsters durchaus den Genreklischees. Bereits während des Vorspanns erfährt der Zuschauer, dass sechs Jahre zuvor die NASA eine Sonde auf den Jupitermond Europa geschickt hatte, um bei der Suche nach möglichen Lebensformen Proben zu entnehmen. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerbrach die Sonde, so dass im Grenzland zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten eine außerirdische Lebensform ausgesetzt wurde, gegen die das Militär nichts ausrichten konnte. Deshalb soll die infizierte Zone hinter einer gigantischen Mauer endgültig geschlossen werden. Der Fotograf Andrew (Scoot McNairy), der unbedingt eines der krakenähnlichen Monster bei Tageslicht vor die Linse bekommen will, erhält von seinem Chef, einem mächtigen Zeitungsverleger, einen besonderen Auftrag: Er soll Samantha (Whitney Able), die Tochter seines Auftragsgebers, die sich im Krisengebiet als Touristin aufhält, in die Vereinigten Staaten zurück begleiten. Die ebenfalls genretypischen Pannen führen dazu, dass Samantha und Andrew nicht mehr mit der letzten Fähre von Mexiko wegkommen, so dass ihnen als letzte Möglichkeit, vor der endgültigen Schließung der Grenze in ihre Heimat zu gelangen, der Weg durch die infizierte Zone bleibt. Dadurch, dass Gareth Edwards Film nach eigenen Angaben an dem Punkt beginnt, an dem die meisten Monsterfilme abblenden, verschiebt er die Perspektive: Die Aliens-Story dient lediglich als Folie für die Reise zweier Menschen, die zunächst eine Zweckgemeinschaft wider Willen bilden, zwischen denen aber zunehmend die Anziehung wächst. Dennoch: Edwards verweigert sich einer geläufigen Liebesgeschichte, so dass sein Film auch in dieser Hinsicht die Spannung hält. Da Edwards Monsters mit kleinem Team und geringem Budget drehte, lief er kaum Gefahr, eine Materialschlacht mit teuren Spezialeffekten abzuliefern. So sieht der Zuschauer über weite Strecken von den Kreaturen lediglich verschwommene Aufnahmen auf einem Fernsehbildschirm oder die schemenhaften Bilder eines Nachtsichtgeräts. Da sie erst gegen Filmende richtig zu sehen sind, erzeugt der Film mit einfachsten Mitteln ein Maximum an Spannung, eine Stimmung von Angst und Bedrohung. Zu der unheimlichen Atmosphäre tragen jedoch die Landschaftsbilder bei, die wie durch einen grauen Filter gefilmt zu sein scheinen, so dass eine durchgängige düstere Anmutung entsteht. Dass Monsters dennoch kein runder Film geworden ist, liegt größtenteils an den Logiklöchern im Drehbuch. Beispielsweise erhält der Zuschauer keine Erklärung, warum die Protagonisten unbedingt auf dem See- beziehungsweise Landweg ihre Reise aufnehmen müssen. Gibt es überhaupt keine Flüge mehr? Solche und weitere wenig plausible Situationen erwecken den Eindruck, als dienen sie lediglich dazu, die Handlung in eine vorgegebene Richtung voranzutreiben. Dem kann auch die Glaubwürdigkeit vorspiegelnde dokumentarische Kameraführung wenig entgegensetzen. Eine bedenkenswerte Ebene führt der Film jedoch mit der deutlichen Kritik an der Einwanderungspolitik der Vereinigten Staaten ein. Die Mauer, die das Land von der infizierten Zone trennen soll, ist leicht als Metapher für eine Politik zu verstehen, die sich vor Migranten abzuschotten versucht. Ähnlich kritisch zeigt sich Monsters darüber hinaus darin, dass die Invasion der Außerirdischen als das Ergebnis eines menschlichen Eingriffs bezeichnet wird. Trotz seiner Schwächen ist Monsters ein ästhetisch ansprechender Film, der insbesondere in seiner konsequenten Haltung, den Genrekonventionen zu wider laufen, überzeugt. Denn um Aliens geht es in Edwards Spielfilmdebüt nur am Rande, eher um eine romantische Liebesgeschichte und um ein Roadmovie in einer außergewöhnlichen Situation, die mit einer Prise Politik- und Gesellschaftskritik garniert wird. |
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