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JOSÉ GARCÍA Jahrzehntelang war der Zeichentrickfilm eine Domäne des Disney-Filmstudios. Eine ernst zu nehmende Konkurrenz erwuchs Disney erst, als Steven Spielberg zusammen mit Jeffrey Katzenberg und David Geffen die Firma DreamWorks gründete, wobei DreamWorks gleich mit ihrem ersten Animationsfilm Antz (1998) der Gleichsetzung von Zeichentrick- und Kinderfilmen eine Absage erteilte. In Antz spielte die Hauptrolle eine eindeutig an Woody Allen angelehnte Ameise: Nicht nur ihre Gesichtszüge waren dem New Yorker Schauspieler und Regisseur entlehnt; Woody Allen lieh der Ameise darüber hinaus auch seine Stimme. Wie die echten Woody-Allen-Filme richtete sich Antz in erster Linie an Erwachsene. Der bislang letzte Animationsfilm aus dem Hause DreamWorks wandte sich ebenfalls zunächst an ein erwachsenes Publikum: Der komplett am Rechner entstandene Shrek Der tollkühne Held (2001) setzte darüber hinaus den Trend von Zeichentrick- zum Animationsfilm fort. Gegenüber dem traditionellen handgemalten Zeichentrickfilm, der mit mehreren zweidimensionalen (2D) Bildern hintereinander dreidimensionale Tiefe vortäuscht, besitzt der Animationsfilm computergenerierte, echt dreidimensionale (3D) Elemente. Shrek Der tollkühne Held wurde als erster Animationsfilm überhaupt in den internationalen Wettbewerb von Cannes aufgenommen. Und er erhielt den ersten Oscar in der 2002 eingeführten Kategorie Bester Animationsfilm. Mit ihrem neuen Film Spirit Der wilde Mustang kehrt DreamWorks zur klassischen Zeichentrickkunst zurück, ohne jedoch auf Computeranimation zu verzichten. In Spirit wechseln sich 2D- und 3D-Technik ständig, aber vom Zuschauer unbemerkt ab eine wohltuende Art, Technik der Erzählung zu unterordnen, statt Spezialeffekte eitel zur Schau zu stellen. Spirit Der wilde Mustang erzählt von einem stolzen Wildhengst, der in den achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts mit seiner Herde in der amerikanischen Prärie in Freiheit lebt. Eines Tages macht Spirit unliebsame Bekanntschaft mit Menschen. Um seiner Herde die Flucht zu ermöglichen, opfert sich der Mustang; er wird gefangen genommen und zu einem Fort gebracht. Dort versucht ein grausamer Colonel mit allen Mitteln, den Mustang zu zähmen. Als Spirits Widerstandskraft gebrochen zu sein scheint, erhält er unerwartete Hilfe von einem jungen Indianer namens Little Creek, der ebenfalls im Fort gefangen gehalten wird. Beiden gelingt die Flucht. Der junge Hengst entdeckt die Liebe zu einer schönen weiss gefleckten Stute namens Rain. Doch die Gefahren sind nicht vorüber: Die Kavallerie bleibt ihnen auf der Spur. Bei der Entwicklung der Spirit-Figur spielte eine entscheidende Rolle die Frage: Soll Spirit sprechen können oder nicht? Da die Filmemacher der Ansicht waren, dass ein sprechendes Pferd nicht ernst genommen werden kann, beschlossen sie, lediglich seine Gedanken durch einen Sprecher hörbar zu machen. So wurde der Film eine Art Stummfilm: Die wenigen Dialoge begleitet von authentischen Pferdelauten entsprechen den eingeblendeten Texttafeln im Stummfilm. Spirits Gefühle werden durch die Songs und die Musik von Hans Zimmer, die nie aufdringlich wird, ausgedrückt. Obwohl Spirit Der wilde Mustang hinter dem Anspruch der Filmemacher, mit ihm die Geschichte des amerikanischen Westens aus der Sicht eines Pferdes erzählen zu wollen, zurückbleibt, berührt der Film tief greifende, universelle Fragen: Neben dem Freiheitsgedanken spielen in Spirit Der wilde Mustang auch die Ehrfurcht vor dem Leben, die Liebe zur Natur und zur Familie sowie Treue und Freundschaft eine wichtige Rolle zur traditionellen Ästhetik der Zeichentrickkunst passende Themen, mit denen DreamWorks zur Tradition des Zeichentrickfilms für Kinder zurückkehrt. Auf Antz antwortete Disney mit Das grosse Krabbeln, auf Shrek Der tollkühne Held mit Die Monster AG. Man darf gespannt sein, welchen Film Disney als Antwort auf Spirit Der wilde Mustang herausgeben wird. |
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