NARCOS: MEXICO | Narcos: Mexico
Filmische Qualität:   
Regie: (Creators): Carlo Bernard, Chris Brancato, Doug Miro
Darsteller: Michael Peña, Diego Luna, Tenoch Huerta, Joaquín Cosio, Alyssa Diaz, Teresa Ruiz, Matt Letscher, Aaron Staton, Lenny Jacobson
Land, Jahr: USA 2018
Laufzeit: 600 Minuten
Genre:
Publikum: Erwachsene
Einschränkungen: G, X
im Kino: 1/2019


José Garcia
Foto: Netflix

"Narcos" gehört zu den erfolgreichsten Serien des Streaming-Dienstes "Netflix". In den Jahren 2015—2017 stellte Netflix drei Staffeln über die kolumbianischen Drogenkartelle ins Netz. Nachdem die ersten zwei Staffeln das sogenannte "Medellín-Kartell" mit dem Drogendealer Pablo Escobar und die dritte das "Cali-Kartell" behandelt hatten, sollten in einer weiteren Staffel die mexikanischen Drogenbosse im Mittelpunkt stehen. Nun folgt jedoch nicht einfach eine vierte Staffel. Bei "Narcos: Mexico" handelt es sich eine ganz und gar eigenständige Serie.

"Narcos: Mexico" erzählt vom Aufstieg des sogenannten "Guadalajara-Kartells". Dass die Serie auf wahren Tatsachen basiert, erklärt nicht nur der gewohnte Hinweis zu Beginn zusammen mit einer Off-Stimme: "Ich kann Ihnen nicht sagen, wann der Drogenkrieg endet. Ich kann nicht mal sagen, ob er überhaupt endet. Aber ich kann Ihnen sagen, wie er begann." Am Anfang einer jeden Folge kommentiert außerdem die Stimme die wahren Ereignisse, unterstützt von Dokumentarbildern. "Narcos: Mexico" gehört zwar zum fiktionalen Genre. Was die Serie jedoch erzählt, ist eine blutige Realität, der im vergangenen Jahr mehr als 30 000 Menschen zum Opfer fielen. Das sollte der Zuschauer bei aller Faszination, die solche "Drogenkartelle" ausüben mögen, nicht aus den Augen verlieren.

Am Anfang stehen ein paar Cannabis-Anbauer im nordmexikanischen Bundesstaat Sinaloa. Noch sind sie wenig organisiert und mit anderen Drogenorganisationen nicht vernetzt. Das ändert sich, als der ehemalige Polizist Miguel Ángel Félix Gallardo (Diego Luna) seine Chance wittert. Mit großer Weitsicht erkennt das eiskalte, skrupellose Organisationstalent das Potenzial einer Vernetzung der unterschiedlichen mexikanischen Drogenorganisationen. "Hier werde ich ein Imperium aufbauen", erklärt er seinen Geschäftsfreunden Ernesto "Neto" Fonseca Carrillo (Joaquín Cosio) und Rafa Caro Quintero (Tenoch Huerta). Auf dem Höhepunkt seiner Macht wird Félix Gallardo 70 Prozent des Opium- und Marihuanaanbaus in Nordmexiko kontrollieren. Durch den Kokainschmuggel in die Vereinigten Staaten wird "der Dünne" Milliarden Dollar verdienen. Im Jahre 2010 bezeichnet die Nachrichtendienstgemeinschaft der Vereinigten Staaten ("United States Intelligence Community") das Sinaloa- oder Guadalajara-Kartell als "die mächtigste Organisation im Drogenhandel weltweit".

Die Handlung von "Narcos: Mexico" beginnt jedoch 1985, als Félix Gallardo zunächst den "Drogen-Patron" von Sinaloa Pedro Avilés (Antonio López Torres) und dann das hochrangige Mitglied der mexikanischen Bundesdirektion für Sicherheit DFS Juan José "Azul" Moreno (Fermín Martínez) von der Qualität der von Rafa entwickelten Hanfpflanze, des sogenannten "samenfreien Cannabis", überzeugen will. Von Anfang an sind denn auch Sicherheitskräfte — nicht nur örtliche Polizisten, sondern auch die Bundespolizei — mit an Bord. Ohne deren "Schutz" sowie ohne korrupte Politiker von Gouverneuren verschiedener Bundesstaaten bis zu einem Mitglied der mexikanischen Bundesregierung hätte Félix Gallardo seinen Drogenhandel nicht betreiben können.

Auf der Gegenseite stehen deshalb wohl kaum die mexikanischen Strafverfolgungsbehörden. Diese Rolle übernimmt die US-amerikanische Drogenvollzugsbehörde "Drug Enforcement Administration" DEA, insbesondere Enrique "Kiki" Camarena (Michael Pena). "Narcos: Mexico" erzählt insbesondere zu Beginn die Geschichte von Félix Gallardo und "Kiki" Camarena parallel. Der mexikanisch-stämmige Kiki wird von Fresno nach Guadalajara versetzt — dass ihn die Serienmacher zur gleichen Zeit wie Félix Gallardo in der Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco ankommen lassen, unterstreicht visuell die Parallelität zum Werdegang des Drogenbosses. Dass die Filmemacher immer wieder von einem Handlungsstrang zum andern hin und her schneiden, gehört zum erzählerischen Konzept der Serie. Weil die DEA zu dieser Zeit noch ganz in den Anfängen steckt — als Kiki in Guadalajara ankommt, hat er lediglich drei Kollegen —, erinnert die Inszenierung der DEA-Einheit in Guadalajara an das von Eliott Ness in "The Untouchables" (Brian de Palma, 1987) geführte kleine Ermittlerteam. Als Motor der Ermittlungen erweist sich jedoch nicht der Chef James "Jaime" Kuykendall (Matt Letscher), der offenbar solange dort ist, dass er sich mit den Verhältnissen abgefunden hat. Kiki hingegen will sich nicht damit abfinden. Er sagt Félix Gallardo den Kampf an. Obwohl die Serie von vier verschiedenen Regisseuren inszeniert wird, vermittelt sie einen einheitlichen Eindruck. Dies gilt nicht nur für die Actionszenen, die zuweilen genretypisch gewalttätig, ja blutig ausfallen, sondern etwa auch für den Musikeinsatz: Die dezent eingesetzte, aber dennoch beunruhigende Musik von Gustavo Santaolalla und Kevin Kiner trägt wesentlich zum Gesamteindruck bei, genauso wie der Einsatz der Originalsprachen Englisch und mexikanisches Spanisch.

"Narcos: Mexico" erzählt vom Aufstieg von Miguel Ángel Félix Gallardo zum "Boss der Bosse" im mexikanischen Drogenhandel. Allerdings verdeutlicht sie auch, wohin dies führt: Der Boss hat sich nicht nur (zum Schlechterem) gewandelt. An der Spitze einer solchen Organisation ist es ganz schön einsam.

"Narcos: Mexico". Zehnteilige Serie mit insgesamt 600 Minuten, von Carlo Bernard, Chris Brancato, Doug Miro. Auf Netflix.
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