PAPST FRANZISKUS - EIN MANN SEINES WORTES | Pope Francis - A Man Of His Word
Filmische Qualität:   
Regie:
Darsteller:
Land, Jahr: USA 2018
Laufzeit: 96 Minuten
Genre:
Publikum: ab 6 Jahren
Einschränkungen: --
im Kino: 6/2018


José García
Foto: Universal

Bereits mit dem Filmtitel "Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" ("Pope Francis - A Man Of His Word") drückt der deutsche Regisseur Wim Wenders aus, dass er keine kritische Filmbiografie über den Papst drehen wollte. Es gehe ihm eher um "eine persönliche Reise mit dem Papst". Der in Zusammenarbeit mit dem "Centro Televisivo Vaticano" koproduzierte Film zeigt den Papst bei seinen Reisen, aber auch in persönlichen Interviews. Für diese Interviews verwendete Wim Wenders eine besondere Technik, "bei der der Gefragte scheinbar in die Kamera sieht, tatsächlich aber in das Gesicht des Fragestellers. Papst Franziskus hat mir also in die Augen geschaut und ist somit Auge in Auge mit jedem Zuschauer", so der Regisseur in einem Interview. Durch die direkte Ansprache des Zuschauers entsteht einerseits eine große Unmittelbarkeit. Andererseits gehört zu einem Dokumentarfilm eigentlich eine gewisse Distanz zwischen dem Filmemacher und seinem Gegenstand.

Dramaturgisch besteht "Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" aus zwei Teilen: In der ersten Hälfte dreht sich der Film insbesondere um die Armut in der Welt. Als Rahmenhandlung dient ein "Film im Film" über das Leben von Franz von Assisi. Diese Szenen unterscheiden sich vom Dokumentarfilm nicht nur durch ihren Spielfilmcharakter, sondern auch in filmästhetischer Hinsicht: Das Leben des Heiligen aus Assisi (1181-1226) wird in schwarzweißen Bildern nacherzählt, die an die Stummfilmära erinnern: Sie sind nicht nur stumm. Darüber hinaus werden sie in einer Geschwindigkeit wiedergegeben, in der die mit der Handkurbelkamera der Stummfilmzeit aufgenommenen Filme anklingen.

Wim Wenders zieht die naheliegende Parallele - nicht umsonst nahm Jorge Bergoglio als erster Papst überhaupt den Namen Franziskus an - zum Heiligen aus Assisi. Wenders zeigt einen Papst im Gespräch besonders mit den Benachteiligten, etwa mit Menschen, die in Elendsvierteln leben. Passend dazu unterlegt der deutsche Regisseure manche Bilder mit einem der bekanntesten Songs der argentinischen Folklore-Sängerin Mercedes Sosa (1935?2009): "Ich bitte Gott nur darum,/ dass mir der Schmerz nicht gleichgültig sei" ("Solo le pido a Dios/ que el dolor no me sea indiferente"). Papst Franziskus ist der Schmerz der am Rande der Gesellschaft Lebenden nicht gleichgültig. Der Film zeigt ihn im Gespräch mit Häftlingen in Gefängnissen. Er spricht ebenso zu Geflüchteten in Flüchtlingscamps an der Mittelmeerküste und zu Menschen, die durch Naturkatastrophen alles verloren haben. Zu ihnen sagt er, die drei "T": trabajo, tierra, techo (genug zum Leben, ein Dach über dem Kopf, eine feste Arbeit) seien Menschenrechte. Der Film schildert aber auch Beispiele der Wegwerfkultur, etwa eine Müllhalde oder Plastik im Meer.

Im zweiten Teil bildet eine Pressekonferenz im Flugzeug nach einer Auslandsreise eine Art "Rahmenhandlung", um weitere Themen anzusprechen, die den Papst beschäftigen. Dazu zählen die Genderideologie beziehungsweise die Beziehungen zwischen Mann und Frau sowie der Umgang mit Homosexuellen und mit den Missbrauchsfällen durch Geistliche. Leider gerät dies zu einem Schnelldurchgang, der diesen wichtigen Fragen kaum gerecht wird. Denn der Film hat wenigstens in der zweiten Hälfte eigentlich keine Struktur. Wenders begleitet lediglich Franziskus auf seinen Reisen durch alle Kontinente, so etwa auch zu seinen Ansprachen vor den Vereinten Nationen und dem US-Kongress. "Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" bebildert aber auch die Trauer des Heiligen Vaters an Ground Zero in New York, an der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und in Auschwitz.
Zu den globalen Problemen, über die Franziskus seine Gedanken äußert, kommt auch sein Reformbestreben innerhalb der Kirche hinzu. Auch hier zieht Wenders eine Parallele von Papst Franziskus zum Poverello von Assisi, der vom Herrn den Auftrag erhielt: "Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät". Im Film kommt die Weihnachtsansprache vor, die Franziskus 2014 an die Leiter der vatikanischen Kurie hielt, und die für Aufsehen sorgte. Darin spricht er von den 15 "Krankheiten" der Kurie. Im Film ist auch eine spontane Begegnung des Papstes mit der argentinischen Schwester María Eufemia Goycoechea zu sehen. Wenders interviewte sie: So ist sie die einzige Person, die neben Papst Franziskus zu Wort kommt. "Gott schickt uns den Papst, den die Welt gerade braucht", sagt sie unter anderem. Dass außer dem Papst ? und dem kurzen Interview mit der Ordensschwester - lediglich die Off-Stimme von Wim Wenders selbst zu hören ist, macht den Film etwas monoton.

Dennoch: "Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" bringt dem Zuschauer den Heiligen Vater nahe. Der Film verdeutlicht, dass der Papst das Vertrauen von Menschen aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen genießt, dass sein Wort mit seinem Leben übereinstimmt. Ein Wort, das überall gehört wird. Das macht ihn allerdings eher zu einer Art Über-UNO-Generalsekretär, zu einem Welt-Leader. Für geistliche Themen jedoch, etwa für das Sakraments- und Gebetsleben, bleibt kaum Raum, wenn man von einigen wenigen Sekunden in Fatima absieht. Für katholische Zuschauer ist das einfach zu wenig.
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