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JOSÉ GARCÍA Foto: Pegasos
Im Jahre 2003 fanden etliche argentinische Spielfilme den Weg ins deutsche Kino, darunter Carlos Sorins mit dem spanischen Filmpreis Goya in der Kategorie bester ausländischer Film in spanischer Sprache ausgezeichnete Historias Mínimas (siehe Filmarchiv). Carlos Sorin verknüpfte in seinen Kleinsten Geschichten drei unspektakuläre Erzählungen in der unendlichen Weite Patagoniens. Unter diesen ragt die Fahrt des 80-jährigen Don Justo hervor, der sich von seinem Sohn und seiner Schwiegertochter entmündigt fühlt und auf die Suche nach seinem entlaufenen Hund macht.Daran scheint Der letzte Zug anzuknüpfen. Denn die argentinisch-spanisch-uruguayische Koproduktion, die von Uruguay für den Oscar in der Kategorie Nichtenglischsprachiger Film 2003 vorgeschlagen wurde und Spaniens Filmpreis Goya für den besten ausländischen Film in spanischer Sprache 2002 gewann, ist auch eine Art Road Movie mit älteren Menschen. Der letzte Zug handelt jedoch nicht vom Schicksal eines Einzelnen, sondern gleichsam von einer nationalen Aufgabe: als ein Hollywood-Studio eine historische Lokomotive aus Uruguay kauft, um sie in einem Filmprojekt einzusetzen, beschließen die Mitglieder der Friends of the Rails Association, die als Teil des nationalen Erbes angesehene Dampflok zu retten. In einem Handstreich entführen drei Vereinsmitglieder die Lok: der an Herzbeschwerden leidende Professor, der seinen senilen Gedächtnisschwund mit Hilfe ständiger Eintragungen in ein Notizbuch bekämpfende Dante sowie der unentwegt vermeintliche Heldentaten aus dem spanischen Bürgerkrieg erzählende Pepe. Zu den drei alten Recken gesellt sich Guito, ein Junge, auf den Pepe aufpassen sollte, und den er zur Protestaktion einfach mitgenommen hat. Zusammen mit der Polizei versucht der Besitzer der Lokomotive, den Zug zu stoppen ohne jedoch viel Aufsehens zu machen, denn er fürchtet, die Aufmerksamkeit der Medien könnte bei der Bevölkerung Sympathien für die drei Entführer wecken. So beginnt eine Verfolgungsjagd entlang der alten, seit langem nicht mehr befahrenen Bahnlinien durch die grüne Landschaft Uruguays. Regisseur Diego Arsuaga vergleicht seinen Film Der letzte Zug mit einem Western. Ganz gleich, ob er diesem Genre oder auch dem Roadmovie zugeordnet wird, handelt Der letzte Zug vorwiegend von der inneren Reise der drei Entführer. Dies gelingt dem Regisseur durch eine unmittelbare Kameraführung, die in der Totalen schöne Landschaftsbilder einfängt, die Figuren aber in extremen Nahaufnahmen geradezu liebkost. So zeichnet der Film diese Menschen mit viel Wärme, ohne sie einen einzigen Augenblick der Lächerlichkeit preiszugeben. Daraus entwickelt Der letzte Zug seine tief berührende Melancholie. |
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